Irritierend und zugleich beeindruckend (Fränkische Nachrichten)

In Buchen: Konzert des Jungen Kammerchors Rhein-Neckar bewegte das Publikum / Zugaben im Joseph-Martin-Kraus-Saal

Buchen. Man kann sich seiner Sache nie sicher sein beim Jungen Kammerchor Rhein-Neckar, der am Samstagabend auf Einladung des Sängerkreises Buchen im Joseph-Martin-Kraus-Saal konzertiert hat. Die 20 Sängerinnen und Sänger überraschten nicht nur mit ihrem Programm, sondern auch mit den zuweilen unerwarteten Harmonien. Ein außergewöhnliches Konzert vor nahezu ausverkauftem Haus.

Einstündiges Konzert

Begeistert, überrascht, vielleicht auch auf positive Weise irritiert verließ man das einstündige Konzert am Samstagabend. Und vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, wenn man das Konzert gleich noch ein zweites Mal hätte anhören können, um vorbereitet zu sein auf die ungewöhnlichen Interpretationen, die teilweise gewöhnungsbedürftigen Harmonien, die manchmal ungewohnten Rhythmen.

Der Junge Kammerchor präsentierte ein in seiner Mischung stimmiges Programm. Dynamik, Ausdruckskraft, ja, auch das gekonnte Zelebrieren von nicht gesungenen Passagen, Spannung und Entspannung, alles passte, alles stimmte. Dazu das ausdrucksstarke, ja stellenweise explosive Dirigat von Mathias Rickert. Die in der Ankündigung versprochene Reise durch mehrere Jahrhunderte der Musik war wohl korrekt, doch moderne und zeitgenössische Kompositionen und Arrangements überwogen.

Das Programm startete moderat mit zwei von Fanny Hensel vertonten Eichendorff-Gedichten. "Schöne Fremde" und "Abendlich schon rauscht der Wald" zauberten eine romantische, gefühlvolle, leicht melancholische Stimmung in den Joseph-Martin-Kraus-Saal.

Nach "All meine Herzgedanken" von Brahms begab sich der Chor musikalisch in die Zeit des 20. und 21. Jahrhundert, die er bis zum Konzertende nicht verlassen sollte. Es folgte "Les Chansons des Roses: En une seule fleur" von Morten Lauridsen nach einem Gedicht von Rainer Maria Rilke.

Tiefe Verlassenheit

Und schließlich ein erster Höhepunkt: Anfangs schrill, dann wieder ruhig und tief drückte der Chor mit "Die Stimme des Kindes" von dem 1963 geborenen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi eine tiefe Verlassenheit aus. Zerfließende Formen, die sich plötzlich wieder fanden, eine Dramatik des Ausdrucks und in der Rhythmik durch lautmalerische Hinterlegungen, mit all dem wurde das Publikum im Mittelteil des Konzerts konfrontiert. Erhoffte sich der flüchtige Leser des Programmhefts bald in romantischen Klängen des Mendelssohn'schen "Abschied vom Walde" heimisch, so wurde er nach der ersten Strophe jäh überrascht von einem "Oh Täler weit, o Höhen"-Rap nach einem Arrangement von Oliver Gies. Was Gesang alles zu leisten in der Lage ist, davon vermittelte der Junge Kammerchor dem Buchener Publikum mit seinen 14 Vorträgen zumindest eine Ahnung.

Und trotz all der ungewohnten Klänge, trotz mancher Überraschungen und der Irritationen war sich das Ensemble am Ende des Konzertabends seiner Zugaben im Buchener Joseph-Martin-Kraus-Saal sicher.